Familienbesuch in Butiru, Uganda – Ein Reisebericht

von Christopher Mitzlaff
Clara und ich auf unserer Reise in Uganda. Foto: Andrea Mitzlaff.

Als meine Mutter Andrea, meine Frau Clara und ich – Christopher – beschlossen, diesen Sommer nach Uganda zu reisen, war die Vorfreude durchaus mit einem gewissen mulmigen Gefühl verbunden. Mein letzter und zugleich erster Besuch in Uganda lag schließlich bereits 13 Jahre zurück. 2013 war ich noch Teenager, mein Englisch deutlich schlechter als heute, und auch Uganda selbst hat sich in dieser Zeit verändert.

Meine Erinnerungen an die damalige Reise waren überwiegend positiv, allerdings auch von einigen Unsicherheiten geprägt: das Gefühl, als weißer Mensch nahezu überall aufzufallen, die Sprache der Menschen nicht immer zu verstehen und nicht dieselben Annehmlichkeiten wie in Europa erwarten zu können. Besonders gut ist mir noch meine erste Nacht in einem Hotel in Entebbe in Erinnerung geblieben, als plötzlich eine Ratte durch das Badezimmer lief.

Eine lange Anreise

Der Viktoriasee in Entebbe. Foto: Katharina Mitzlaff

Unsere Reise begann um vier Uhr morgens. Von Hannover flogen wir zunächst nach Amsterdam, anschließend über Nairobi weiter nach Entebbe. Dort wurden wir von Kanaan, unserem Fahrer, abgeholt, der im Auftrag von Elisabeth auf uns wartete. Es folgte eine lange Nachtfahrt über Kampala und Jinja in Richtung Osten. Dass es inzwischen im ganzen Land gut ausgebaute Asphaltstraßen gibt, hatte ich bereits gehört. Es dann tatsächlich selbst zu erleben, war trotzdem eine angenehme Überraschung – insbesondere für unseren Rücken nach der langen Reise.

Clara und ich mit meiner Cousine Ruth Mwaka im Murchison Falls National Park. Foto: Andrea Mitzlaff

Am nächsten Morgen erreichten wir schließlich Butiru und Elisabeths neues Zuhause. 2013 hatte sie noch in einem Haus auf dem Schulgelände gelebt; inzwischen war ein eigenes Grundstück mit einem kleinen Ferienhaus entstanden. Wir wurden von Elisabeth und meinen Cousinen Hannah, Ruth und Christine begrüßt und lernten auch gleich die weiteren Mitbewohner Isaac, Jotham, Moses, Peter und Papa Paul kennen.

Butiru wiedersehen

Der Schulhof der Sekundarschule in Butiru. Foto: Katharina Mitzlaff

Die ersten anderthalb Wochen unserer Reise verbrachten wir in Butiru und der näheren Umgebung. Elisabeth und Ruth zeigten uns die Grund- und Sekundarschulen, das Hope House und das Teacher’s College und gaben uns einen Einblick in das Leben vor Ort. Seit meinem letzten Besuch hatte sich einiges verändert. Besonders die Schulen waren deutlich gewachsen.

Während uns in Butiru kaum besondere Aufmerksamkeit geschenkt wurde, änderte sich das, je weiter wir uns vom Ort entfernten. In Mbale, Munamba und anderen kleineren Orten sowie in den umliegenden Bergen waren wir für viele Menschen deutlich interessanter.

Clara und ich mit unseren Patenkindern. Foto: Andrea Mitzlaff

Wir besuchten Schulen, schauten uns verschiedene Projekte an, trafen Menschen, die durch Kleinkredite unterstützt worden waren, und bestiegen schließlich sogar einen der Berge. Die Vielzahl an Eindrücken und Erlebnissen würde vermutlich den Rahmen dieses Berichts sprengen. Einige davon möchte ich trotzdem besonders hervorheben.

Ein Tag in Munamba

Die 2023 fertiggestellten Gebäude der Munamba Primary School. Foto: Elisabeth Mwaka / Andrew Weyawo.

Am dritten Tag unserer Reise fuhren wir mit Boda Bodas (Motorradtaxen) nach Munamba, einem Nachbarort von Butiru. Dort besuchten wir zunächst die Schule, in der neben einer Primary und Nursery School auch eine Berufsschule untergebracht war. Während unseres Besuchs wurde fleißig gemauert, frisiert und geschneidert.

Unterricht in Munamba. Foto: Elisabeth Mwaka.

Anschließend besuchten wir mehrere Mitglieder von Kleinkreditgruppen. Sie zeigten uns, was sie mit den erhaltenen Krediten aufgebaut hatten – in einigen Fällen waren es Milchkühe, in anderen kleine Läden. Die Frauen, mit denen wir sprachen, zeigten sich ausgesprochen dankbar für die Möglichkeit, einen Kredit zu erhalten. Gleichzeitig waren sie sichtlich stolz auf das, was sie mit diesem Geld aufgebaut hatten. Insgesamt war es eine sehr positive und beeindruckende Erfahrung.

Weiter ging es zu einer Wasserquelle, die durch den Freundeskreis gesichert worden war. Sie liefert dauerhaft frisches Trinkwasser für die Menschen aus der näheren Umgebung. In der Region wurden inzwischen viele Quellen dieser Art durch entsprechende Projekte ermöglicht.

Zum Abschluss besuchten wir eines der vielen Witwenhäuser, wo wir auf eine vermutlich über 80 Jahre alte Bewohnerin trafen. Sie sprach zwar kein Englisch, doch ihre Dankbarkeit für ihr neues Zuhause war deutlich zu spüren. Ihr früheres „Haus“ war kaum mehr als eine winzige Hütte, gebaut aus Lehm und ohne Fenster, und befand sich in einem äußerst schlechten Zustand. Das neue Gebäude bedeutete für sie daher eine enorme Verbesserung ihrer Lebenssituation.

Bergsteigen

Da unsere ugandischen Freunde am Wochenende auch frei hatten, wollten wir gemeinsam in den Bergen wandern. Peter empfahl uns vorsichtshalber festes Schuhwerk. Der Berg sei nicht nur steil, sondern könne bei Regen auch sehr schlammig werden. Als wir schließlich losgingen, stellte sich allerdings heraus, dass die Einheimischen unsere Sorge nicht unbedingt teilten und in Badelatschen oder ähnlich wenig geeigneten Schuhen aufs Motorrad stiegen.

Unsere neunköpfige Gruppe fuhr auf sechs Boda Bodas zum Fuße des Berges, wo sich herausstellte, dass auch unsere Fahrer Lust auf die Wanderung hatten.

Die Wanderung selbst war tatsächlich so anstrengend wie angekündigt. Der Weg führte über schmale Pfade, vorbei an vielen kleinen, verstreuten Siedlungen den steilen Berg hinauf. Dabei begegneten wir immer wieder verdutzten Einheimischen, die sich vermutlich fragten, warum sich eine Horde junger Menschen freiwillig einen derart steilen Berg hinaufquälte.

Die Berge Ostugandas. Foto: Clara Mitzlaff.

Etwa auf halber Strecke war für einige Mitglieder unserer Gruppe Schluss und acht Leute entschieden sich, wieder umzukehren. Der Rest kämpfte sich weiter nach oben. Unterwegs schloss sich uns ein lokaler Führer an, der uns den weiteren Weg zeigte. Ohne ihn hätten wir den Gipfel vermutlich nicht erreicht – und auch der Abstieg wäre wahrscheinlich herausfordernd geworden, denn ausgerechnet in dem Moment, als wir den Gipfel erreichten, begann es wie aus Kübeln zu regnen.

Der Boden verwandelte sich innerhalb kürzester Zeit in eine einzige Rutschpartie. Teilweise schwamm uns der Weg förmlich unter den Füßen weg, sodass wir beim Abstieg mehr rutschten als gingen. Wie die Ugander es unter diesen Bedingungen geschafft haben, mit ihren Badelatschen den Berg hinauf- und wieder herunterzukommen, ist mir bis heute ein Rätsel.

Das Land kennenlernen

Giraffen im Murchison Falls National Park. Foto: Katharina Mitzlaff.

Nach unseren anderthalb Wochen in Butiru sind wir nach Jinja gefahren und besuchten dort die berühmte „Quelle des Nils“, die Stelle, an der der Nil aus dem Viktoriasee fließt. Anschließend ging es weiter in den Murchison Falls National Park. Zwei Tage lang konnten wir dort die Tierwelt Ugandas aus der Nähe erleben. Elefanten, Nashörner, Affen, Gazellen, Leoparden, Löwen, Giraffen, Krokodile und Nilpferde – die Liste der Tiere, die wir zu Gesicht bekamen, war lang. Besonders beeindruckend waren für uns die großen Elefantenherden und die Suche nach den Löwen. Gerade die Momente, in denen wir lange nach einem Tier suchten und es schließlich tatsächlich entdeckten, gehörten zu den Höhepunkten der Reise.

Ein junger Löwe im Murchison Falls National Park. Foto: Clara Mitzlaff.

Wenn ich die vergangenen zwei Wochen Revue passieren lasse, kann ich eigentlich nur zu dem Schluss kommen, dass wir in dieser kurzen Zeit genug Eindrücke und Erlebnisse für zwei oder mehr Urlaube gesammelt haben. Mein anfänglich mulmiges Gefühl hat sich jedenfalls nicht bestätigt. Seit meinem letzten Besuch 2013 hat sich einiges verändert, und es wurde viel modernisiert. Trotzdem bleibt Uganda ein Reiseziel, das sich nur schwer mit einem gewöhnlichen Urlaub vergleichen lässt – sowohl im positiven als auch im negativen Sinne. Als weißer Mensch fällt man zwangsläufig auf und steht insbesondere außerhalb der größeren Orte häufig unter besonderer Beobachtung. Das kann anstrengend sein. Gleichzeitig begegneten uns die Menschen fast überall mit großer Freundlichkeit, Offenheit und Hilfsbereitschaft.

Auch das Land selbst enthält große Gegensätze. Auf der einen Seite stehen beeindruckende Landschaften, eine faszinierende Flora und Fauna und eine unglaubliche Vielfalt an Eindrücken. Auf der anderen Seite erlebt man Slums, Verkehrslärm und eine teilweise massive Verschmutzung durch Plastik. Uganda ist deshalb sicherlich kein Urlaubsziel, bei dem man zwei Wochen lang einfach nur abschalten und entspannen kann. Dafür bietet das Land viel zu viel, das entdeckt, erlebt und verarbeitet werden möchte.

Wer entspannen möchte, sollte vielleicht lieber an den Strand fahren.

Ein Elefant im Murchison Falls National Park. Foto: Katharina Mitzlaff.

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